Zwischen Mythos und Wahrheit – was stimmt wirklich?

Viele von euch haben mich bereits gefragt, aus welchem kirchlichen Hintergrund ich komme. Here we go:

Ich, Céline, bin als Siebenten-Tags-Adventistin aufgewachsen und getauft. Doch was ist das eigentlich? Viele haben den Begriff vielleicht bisher nur gehört aber können nicht wirklich etwas damit anfangen. So viel sei schon vorweg genommen: Es handelt sich nicht um irgendeine komische Sekte oder Abspaltung von irgendeiner weirden Glaubensrichtung, keine Angst!! 🙂

Es wird Zeit, Licht ins Dunkel zu bringen! Hier sind mal einige Vorurteile/ Gedanken zusammengefasst, die viele mit den „Adventisten“ in Verbindung bringen bzw. bestimmt schon mal irgendwo aufgeschnappt haben:

  1. Ein Adventist achtet besonders auf gute Ernährung und ernährt sich meist vegetarisch/vegan.
    Tatsächlich hat die gesunde Ernährung bei Vielen einen hohen Stellenwert. Es gibt sogar in manchen Gemeinden Kochkurse und Gesundheitstage, wo man lernt, wie man sich möglichst gesund ernährt. Doch wie überall gibt es natürlich die und die. Welche Seite davon besser ist – darum geht es hier gar nicht. Ich persönlich sehe das Thema Ernährung als eines von Vielen an und denke, es sollte weder überbewertet noch klein geredet werden. Gott hat uns einen Verstand gegeben, um selbst entscheiden zu können, womit ich meinen Körper fülle und auf welche Dinge ich lieber verzichten sollte, weil sie mir auf Dauer nicht gut tun. Das fängt beim Thema Ernährung erst an …
  2. Ein Adventist geht am Samstag in den Gottesdienst.
    Ja. Für Adventisten ist der Samstag der ausschließliche biblische Ruhetag, den Gott besonders geheiligt hat und an dem keine Arbeit verrichtet werden soll. Der Fokus liegt dabei jedoch nicht auf der Einhaltung bestimmter Gesetze, sondern auf der Haltung und Einstellung gegenüber diesem Tag. Durch das Halten des Sabbats soll Gott als Schöpfer der Welt geehrt werden (1. Mose 2,1-3). Außerdem dient er uns Menschen als eine bewusste Erholung vom Alltag. Wir können aus der Ruhe heraus unser Denken und Handeln neu auf Gott ausrichten.
  3. Ein Adventist trinkt keinen Kaffee und keinen Alkohol.
    Teilweise. Ich weiß gar nicht, wo das herkommt, dass es in manchen Gemeinden keinen richtigen Kaffee gibt. Kann mir das irgendjemand erklären? 😀 Beim Abendmahl ist es jedenfalls auch so, dass es statt Wein oft Traubensaft gibt. Wo das herkommt, weiß ich allerdings auch nicht. Letztendlich sind wir wieder beim Thema Ernährung – ich muss selbst entscheiden, was meinem Körper gut tut und was nicht. Wenn ich merke, dass Alkohol mir eigentlich schadet, warum muss ich ihn dann trinken? Auch hier kommt es meiner Meinung nach vor allem auf das gesunde Maß an – wie bei Allem im Leben 😉
  4. Ein Adventist isst kein Schweinefleisch.
    Stimmt! Adventisten halten sich an einige Speisegesetze, die dem Volk Israel damals gegeben wurden. Das heißt: kein Schweinefleisch, keine Garnelen, kein Aal – ein Adventist isst jedoch alles das, was wiederkäut und gespaltene Hufe hat bzw. Schuppen und Flossen. Wer das mal eingeführt hat – keine Ahnung. Ich jedenfalls bin so aufgewachsen und habe anderes Fleisch jedoch auch nie vermisst. Das einzige, was einem bewusst sein sollte, ist, WESHALB ich das nicht esse. Für mich geht es dabei nicht um die Einhaltung bestimmter Speisevorschriften und Gesetze, da ich sonst nicht in den Himmel komme oder sündige – nein. Ich glaube zwar nicht, dass diese Speisevorschriften (btw. es gibt noch viiiel mehr, es werden auch von Adventisten nicht alle davon eingehalten) für uns heute noch gelten, jedoch bin ich der festen Überzeugung, dass Gott am Besten weiß, was gut für uns ist. Wenn er den Israeliten damals diese Gebote gegeben hat, wird es einen Grund gehabt haben. Niemand kennt die Tiere so gut wie ihr eigener Schöpfer. Deshalb tue ich meinem Körper doch nur Gutes, wenn ich auf bestimmte Fleischarten verzichte, von denen nachweislich bekannt ist, dass sie teils noch schlechter sind bzw. geringere Qualität haben wie andere.
    Falls ihr dazu mehr wissen wollt, googelt einfach oder lest euch das mal durch:
    http://www.gesundheitsweblog.de/warum-schweinefleisch-ungesund/

  5. Ein Adventist hält sich für was Besseres.
    Ok, das ist ne steile Aussage. Doch ich kann verstehen, wo sie herkommt. Oft steht man als Adventist meiner Meinung nach in der Gefahr, andere vorschnell zu verurteilen, die z.B. nicht den Sabbat halten oder Schweinefleisch essen – mich natürlich mit eingeschlossen. Ich glaube es ist so wichtig, dass Adventisten ihre Identität nicht aus den Dingen kreieren, die sie von den anderen Glaubensgemeinschaften unterscheiden, sondern daraus, was alle gemeinsam verbindet (/-n sollte): Der authentische Glaube an einen lebendigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und uns durch seinen Sohn vom ewigen Tod erlöst hat. Ist nicht das die Kernbotschaft, worum es wirklich geht? Alles andere ist nebensächlich und ganz oft eine Frage der lebendigen Beziehung zwischen Gott und mir. Ich darf darauf vertrauen, dass Gott mir zeigen wird, was gut für mich ist und wovon ich die Finger lassen sollte, wenn ich ihn darum bitte.
  6. Der Gottesdienst dauert 3 Stunden.
    Alsooo der Gottesdienst unterscheidet sich tatsächlich sehr von den Gottesdiensten anderer Freikirchen, in denen ich bereits war. Ja, er dauert auch etwas länger. Das liegt daran, dass er bei den Adventisten in zwei Teile aufgeteilt ist – den Lektionsteil und den Predigtteil. Zwischendurch gibt es dann meist eine kurze Pause und die „lebendige Gemeinde“ in der z.B. Gebetserfahrungen aus der vergangenen Woche erzählt werden oder für die Geburtstagsmenschen gesungen wird.
    Der Lektionsteil ähnelt einer/-m Kleingruppe bzw. Hauskreis, in dem ein bestimmtes Thema näher betrachtet und diskutiert wird, welches meist anhand eines begleitenden Studienheftes vorbereitet wird. Das Studienheft ist in ganz Deutschland (und Europa/weltweit?!) dasselbe, da es von den leitenden Menschen für alle Adventgemeinden jährlich herausgegeben wird. So kann man problemlos in jede Gemeinde gehen und weiß genau, welches Thema dran sein wird. Für mich persönlich ist der Lektionsteil immer eine gute Möglichkeit, eigene Überzeugungen zu reflektieren, neue Denkanstöße zu bekommen und dadurch im Glauben zu wachsen.
    Im Predigtteil, dem zweiten Teil des Gottedienstes gibt es dann ne klassische Predigt. Zwischendurch wird natürlich noch gesungen und gebetet bzw. Gaben gesammelt. Alles in allem kann das schonmal 2,5 bis 3 Stunden gehen, obwohl der Durchschnitt meiner Erfahrung nach eher bei 2 – 2,5 Stunden liegt.

Ich hoffe, hiermit die größten Fragen beantwortet zu haben. Zum Schluss möchte ich betonen, dass es letztendlich nicht darum geht, die perfekte Gemeinde bzw. Glaubensgemeinschaft zu finden, denn keine Gemeinde wird jemals perfekt sein. Es geht viel mehr darum, sich darüber im Klaren zu werden, WARUM ich viele Dinge so tue, wie ich sie tue. Warum gehe ich samstags/sonntags in den Gottesdienst? Aus Tradition? Weil ich meine Freunde treffen will? Weil ich bestimmte Regeln einhalten will, um Gott zu gefallen? Warum verzichte ich auf bestimmte Dinge? Was ist meine Motivation dahinter? Think about it …

Vielleicht gefällt dir auch das: