Wann hast du das letzte Mal einfach NICHTS getan? Ich vermisse dieses Gefühl. Als ich noch frisch in das Gymnasium gekommen war, konnte ich relativ häufig mal „Nichts tun“. Es ist einer der schönsten Momente auf der Welt, wenn man auf dem Sofa liegt, alle Aufgaben sind erledigt, man hat Sport gemacht, gut gegessen, sich mit einem Hobby beschäftigt und liegt jetzt einfach nur noch da. Alles um dich herum wird geregelt und du kannst dich komplett entspannen. Jetzt, wo man studiert, parallel dazu einen Haushalt mit der Ehefrau schmeißen muss und zusätzlich noch für den Unterhalt einen Minijob betreibt, klingt der Begriff Langeweile wie ein unwirklicher Mythos. Man muss die Dinge jetzt selbst in die Hand nehmen und etwas tun. 

Gottes unendliche Gnade

Ähnlich hat sich eine Zeit lang mein geistliches Leben angefühlt. Ich bin Christ und glaube an Gott, aber das war es dann auch schon. Sonst Füße hochlegen und machen, worauf man Lust hat. Tun und Lassen was man will, denn Gott vergibt mir ja immer wieder, warum sollte ich mich denn anstrengen irgendwelche Regeln zu befolgen? Daher habe ich als Christ, außer den Glauben am Sonntag zu bekennen, NICHTS getan. Ich weiß ja, dass Gott mich durch seine unendliche Gnade gerettet hat. Egal, was ich getan habe, oder was für ein schlimmer Mensch ich bin, Gott liebt jeden Menschen gleich und hat unendlich Gnade für jeden. Das wird oft betont und hervorgehoben, weil es ja auch wirklich wichtig ist und stimmt. Ist das jetzt ein Freifahrtschein für mich? Ich kann auch weiterhin meine Eltern belügen und meine Pornos schauen, wenn Gott ja immer wieder Gnade für mich hat, denn „easy, Gott regelt!?“ Also Füße hochlegen und Chillen ist angesagt? Jetzt die Frage an dich! Was würdest du darauf antworten? Welche Bibelstellen schlägst du auf und was sagst du mir? Ich habe erkannt, dass es garnicht so einfach ist eine biblisch klare Aussage zu machen. Die kommenden Zeilen sollen Klarheit bringen.

Wem willst du dienen?

In seinem Brief an die Römer beschreibt Paulus genau diese Situation. Die Menschen diskutieren über die Auswirkungen der Gnade Gottes und Paulus greift das auf: „Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne! Wisst ihr nicht: Wem ihr euch als Sklaven hingebt, um ihm zu gehorchen, dessen Sklave seid ihr und müsst ihm gehorchen.“ (Römer 6,14-16) Natürlich hat Gott Gnade für mich, aber dabei bleibt es nicht stehen. Ich muss mich auch entscheiden, das anzunehmen und ihm zu dienen. Es wird im Römerbrief recht schnell deutlich, dass manches gar nicht so einfach ist. Ich möchte Gott dienen, seinen Willen tun und mein Leben so gestalten, wie er es für den Menschen vorhergesehen hat. Trotzdem passiert es, dass ich meine Eltern belüge, dass ich Menschen verurteile und schlecht von meinem Nachbar denke. Bin ich deswegen ein Sklave der Sünde? Wie kann Sünde dann immer noch ein Teil von mir sein?

Innerer Kampf

„Jetzt aber vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die Sünde, die in mir wohnt.“ (Römer 7,17) Meine Gesinnung dient Gott von ganzem Herzen, aber das Fleisch (mein menschliches Wesen) kämpft weiterhin mit der Sünde in mir. Ich bin ein Mensch mit Fehlern. Und trotz Gottes Vergebung, die er er mir immer wieder schenkt, bin ich herausgefordert seinen Ordnungen zu folgen. Ich war in meinem Leben abhängig und süchtig nach verschiedenen Dingen, die mich von Gottes gutem Plan für mich abgebracht haben. Obwohl ich Gott gedient habe und unter seiner Gnade stehe, ist es passiert. Jedes Mal bin ich danach auf die Knie gegangen und habe Gott um Vergebung gebeten. Es war mir nicht egal und das war auch gut so. Er hat mich schließlich davon befreit. Ich habe sooft geweint und innerlich gekämpft. Ich wollte das nicht tun, aber mein innerer menschlicher Drang hat mich immer wieder dahingezogen. Wer diese Momente kennt, weiß genau von welchem Inneren Kampf ich spreche. Menschen kämpfen mit Selbstannahme, Süchten und wir glauben Lügen, die Menschen über uns aussprechen, obwohl wir sie nicht glauben wollen. Fühlt sich das an wie „easy, Gott regelt?“ Ja natürlich möchte Gott uns davon freimachen, aber es erfordert Schritte von uns! Ich hätte auch sagen können: „easy kein Problem, Gott wird mir schon verzeihen, ich stehe ja unter der Gnade Gottes, die wird mich schon irgendwann heilen und zu einem guten Menschen machen.“ Wir sind dazu aufgefordert nach der Gesinnung unseres Geistes zu handeln und der Gesinnung unseres Fleisches, die uns immer wieder zur Sünde verführen will, zu widerstehen.

Wie schaffe ich es denn nach der Gesinnung meines Geistes zu leben? Paulus sagt: „Gebt auch nicht eure Glieder der Sünde hin als Werkzeuge der Ungerechtigkeit, sondern gebt euch selbst Gott hin als solche, die lebendig geworden sind aus den Toten, und eure Glieder Gott als Werkzeuge der Gerechtigkeit. Denn die Sünde wird nicht herrschen über euch, weil ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.“ (Röm 6,13-14) Dem inneren Konflikt zwischen dem Fleisch und dem Geist hat Paulus den Kampf angesagt. Das größte Ziel ist: Lass dich nicht von der Sünde beHERRSCHEN. Wir sind Kinder Gottes und dienen dem Schöpfer der Erde. Seine Macht ist überwältigend. Wer soll dein Herrscher sein? Der, der dir ewiges Leben in Freiheit schenkt oder der Sünde, die dich innerlich zerstören möchte? Durch die Gnade herrscht die Sünde nicht mehr über dich, ist das nicht großartig? Wir sind frei! Wir dürfen den Süchten und Lügen in unserem Leben den Kampf ansagen, weil Gott gesiegt hat! Also ATTACKE: you have NO more Power about my LIFE! Aufstehen vom Sofa und an die Arbeit…

Bedeutung von Nachfolge

Ist also wirklich alles „easy, Gott regelt!?“. Lass es mich so formulieren: Meine Frau liebt mich und das habe ich wirklich nicht verdient, sie tut es trotzdem. Wenn ich meine Frau wirklich liebe, dann bin ich bereit, ALLES für sie zu machen! Ich denke nicht mehr egoistisch und wenn sie sich wünscht, dass ich neben ihr keine weitere Frau nackt anschaue, dann tue ich das, weil ich weiß, dass es unserer Beziehung gut tut. Wenn wir Gott wirklich lieben und uns auf dieses Leben einlassen, dann wollen wir uns auch an seine Geboten und Ordnungen halten. Jesus nachzufolgen bedeutet mit Sicherheit nicht, sich auf der Gnade Gottes auszuruhen.

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